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Finnland

Fotos: www.laerta.com
Das Pferd ist seit jeher ein ständiger Begleiter der Finnen. Das ausdauernde, schnelle und genügsame Finnpferd bewältigte die weiten Strecken des Landes, um  Verkaufsgüter zum Markt zu transportieren; im Winter rückte es Holz und im Sommer bestellte es die Felder. Jahrhundertelang überwand das starke Kaltblut bis zu 60 Kilometer täglich vor dem Schlitten oder Reisewagen zwischen Gasthäusern. Das Finnische Pferd nahm auch an der Versorgung der wachsenden Städte teil. Und es war mit seinem Besitzer verpflichtet, beim Brandschutz mitzuhelfen. Auch heute noch spielt das Pferd im Leben der Finnen eine wichtige Rolle.

Obwohl die finnische Pferderasse ohne Zweifel der Favorit im Land bleibt, züchtet man hier auch amerikanische, französische und russische Traber. Araber werden aus Europa eingeführt. In Finnland gibt es circa 60.000 Pferde: Ein Drittel davon sind Finnpferde, ein Drittel warmblütige Rennpferde. Der Rest sind Reitpferde und Ponys. Die Bauern, die 40 % der Bevölkerung Finnlands bilden, haben eigene Arbeitspferde. Jährlich veranstalten sie traditionelle Wettbewerbe für ihre Pferde. Am wichtigsten ist der nationale Meisterschaftswettbewerb „Valtakunan Työmestaruus“. Seit kurzem werden die nationalen Meisterschaften für Arbeitspferde unter tierärztlicher Aufsicht durchgeführt, trotzdem sehen Tierschützer des Landes solche Wettbewerbe als zu belastend an. Die finnischen Bauern setzen ihre Tiere auch bei der Pflege des Jungwuchses und der Grünanlagen in den Naturschutz- und Stadtgebieten ein.

In den ausgedehnten Wäldern bewegt sich das Pferd geschickt, und im Gegensatz zu den großen Maschinen zerstört es die Natur nicht. Das Finnpferd bewies es nicht einmal, dass es das Universalpferd ist. Ein und dasselbe Pferd kann eine Läuferkarriere hinter sich haben, einen Rekord im Galopprennen besitzen, an internationalen Gespann- und anderen Zugwettkämpfen teilnehmen, im Dressur-, Spring- und Geländereiten auf nationaler Ebene antreten und sein Brot als Wanderreitpferd verdienen. Die Finnen sind stolz darauf, dass ihre Pferderasse zu den schnellsten Kaltblütern der Welt zählt. Der Trabrennsport ist deshalb nach Eishockey ein beliebter Sport in Finnland mit bis zu 800.000 Zuschauern pro Jahr. Ein Höhepunkt des Jahres für Pferdefreunde ist ein zweitätiges Königsrennen, das große Volksfest seit 1924(abgesehen von den Kriegsjahren). Im Königsrennen dürfen nur die ins Stammbuch eingetragenen Pferde starten. Stuten und Hengste treten in getrennten Klassen an. Innerhalb von nur zwei Tagen werden insgesamt drei Rennen gelaufen (2100 m, 1609 m, 3100 m). Der Königs- und Königinnentitel wird dem Pferd verleihen, welches die aus allen drei Rennen errechnete Gesamtbestzeit erreicht.

Nach dem Sieg sind Traberkönige zu begehrten Zuchthengsten geworden. Im Vergleich zum Trabersport entwickelte sich der Wanderreit- und Reitersport in Finnland viel langsamer. Ein Umbruch kam erst am Anfang der 1980er Jahre. Der älteste Wanderreitstall „Finnhorse Farm von Jorma Patosalmi“ ist durch seine 160 Kilometer lange und anspruchsvolle Strecke in der Wildnis des Naturschutzgebietes Oulanka bekannt. In den südlichen Teilen Finnlands gibt es viele Unternehmer, die einstündige bis mehrtätige Ausritte anbieten. Immer öfter begegnen sich auf der Strecke einzelne Wanderreiter oder Planwagenfahrer. Dank des Kinder-Reitsports sind Ponys in Finnland auch sehr beliebt. Die erste Geige spielt selbstverständlich das finnische Kleinpferd. Sein ruhiger Charakter und seine flachen Bewegungen passen sehr gut für Kinder. Insgesamt gibt es in Finnland etwa 200 Reitschulen, dabei haben 22 Rennbahnen eigene kostenlose Kinder-Reitschulen. Junge Reiter lernen nicht nur reiten, sondern auch die Pferde pflegen. In einigen Schulen sind die Reitstunden ein alternativer Sportunterricht.

Im Südwesten Finnlands, etwa 130 Kilometer von Helsinki entfernt, befindet sich das College Equine Ypäjä, das führende Zentrum der beruflichen Ausbildung und der Reitturniere Finnlands. Das Equine College wurde 1972 bei dem staatlichen Gestüt Ypäjä gegründet. Das Gestüt ist gigantisch: sechs riesige Ställe mit circa 300 Pferden (hauptsächlich Finnpferde, aber auch andere Traber, Warmblüter etc.), unendlich viele Paddocks und eine große Koppel, mehrere riesige Reithallen und Reitplätze, eine große Übungsbahn für den Trabrennstall, ein Military-Parcours und noch viel, viel, viel mehr. Die Schüler haben große Auswahlmöglichkeiten für ihre berufliche Bildung: Reitleiter, Trainer, Trabrennen-Trainer, Hufschmied, Sattler, Reiter und Therapeut. Die Ausbildung der Reitlehrer und Trainer bringt man in Einklang mit dem europäischen System. Im Laufe des Studiums kümmert sich jeder Student und jede Studentin um ein Pferd, dessen Gesamtbefinden von einem Prüfungsausschuss am Ende der Ausbildung bewertet wird. Seit den achtziger Jahren existiert in Finnland das therapeutische Reiten. Auf einem Hof in Ristijärvi, nahe der russischen Grenze, im unberührten wilden Norden leitet Frau Dr. Yrjöla das therapeutische Reiten.

Patienten fahren zu ihrer psychotherapeutischen Praxis teilweise bis zu 50 Kilometer weit – auch im Winter. Selbst Frau Dr. Yrjölä reitet ständig, auch im Winter bis minus 25 Grad. Da die Tage im Winter kurz sind, reitet sie oft mit einer Stirnlampe. Im Sommer bietet Frau Dr. Yrjöla zusammen mit Frau Dr. Juuti, der Leiterin der psychiatrischen Klinik der Stadt Uusikaupunki, einen Gruppenkurs „Frau und Pferd“ an. Frauen leben über ein verlängertes Wochenende in der finnischen Einsamkeit zusammen und durchleben gemeinsam mit den Pferden einen Prozess der Begegnung, Selbsterfahrung und persönlichen Entwicklung. Neben einem englischen Vollblutwallach und einem Hannoveraner setzt sie in der Therapie auch ein Finnpferd ein, eine 13-jährige Stute mit einem sanften Charakter und viel Temperament. Jedes Land hat kulturelle und natürliche Eigenheiten, die es von anderen Ländern abheben. Zu den Besonderheiten Finnlands, des Landes mit 187.888 Seen, gehören das Nordlicht, die Polarnacht und der Polartag, der mehr als zwei Monate dauern kann, sowie der Ostsee-Archipel Aland mit seinen 6.500 Inseln – und ohne Zweifel auch das Dorf am Ohrenberg inmitten der wilden Natur Lapplands, wo der Weihnachtsmann wohnt. Das Finnische  Kaltblut, eine einzigartige Pferderasse Finnlands, ist auch etwas, auf das Finnen sehr stolz sein können.

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