Suche
  • Internationale Gesellschaft zum Schutz und Erhalt der seltenen und gefährdeten Pferderassen
  • info@pferde-der-erde.com
Suche Menü
Caspian&LouiseFirouzAspahanHorse Festival

Iran

Aufgrund des Klimas und der Geographie besaßen Perser (seit 1935 „Iraner“) schon immer leistungsfähige Pferde, die in ihrem Leben sowie in der persischen Kultur eine große Rolle spielten. Heute ebenso wie einst ist der Iran die Heimat verschiedener alter Pferderassen.

                                                                                                                             Kurdischen Stallion, Iran
Alle Fotos: Bob Langrish
www.boblangrish.com www.boblangrish.co . uk

Es war schon im letzten und vorletzten Jahr genau wie vor Tausenden Jahren. Es kommt nächstes Jahr wieder. Wenn es Frühling wird, wandern mehrere Hunderttausend Männer, Frauen, Kinder und Greise mit Sack und Pack und mit ihren Millionen von Tieren viele Tage aus den niedrig gelegenen südlichen Randgebieten des iranischen Zagros-Gebirges auf eine Höhe von über 3.000 Metern zu den nördlichen Sommerweiden. Im Oktober kehren sie auf gleichem Weg wieder zurück.

Seit uralten Zeiten züchtete man in der südwestlichen Provinz Khuzestan den Persischen Araber – im Iran „Asil“, „Perser“ oder „Iranian Arab“ genannt. So passt das Sprichwort „Ein liebes Kind hat viele Namen“ auf ihn perfekt. Die jährlichen langen Wanderwege machten die Rasse trittsicher, ausdauernd und hart. Ihre Ahnen fielen den Persern zur Beute bei der Eroberung Mesopotamiens im VI. Jahrhundert v. Chr.; mit ihnen ging auch die Zuchttradition der Beduinen zu den Angreifern. Die Abstammung der Pferde wurde von Generation zu Generation meist mündlich weitergegeben. Den Überlieferungen konnte man jedoch vertrauen, denn bei einer Geburt eines Fohlens sowie beim Decken einer Stute sollten Zeugen zugegen sein.

Das Stutbuch der Persischen Araber wurde von Frau Gharagozlou (1927-2000) – der „Großmutter der Persischen Araber“ – erst Ende des 20. Jahrhunderts  gegründet. Es erhält über 300 Gründerpferde in den Fünf-Generationen-Pedigrees aus der Provinz Khuzestan. Man kann es kaum glauben, aber als Frau Gharagozlou zum ersten Mal Persische Araber sah, sagte sie mit Ironie: „Wie können Sie sie ‚Pferde‘ nennen? Das sind doch Ziegen!“ Vierzig Jahre ihres Lebens widmete sie den Perser und der Gründung des Stutbuches der ausgesprochen leistungsfähigen und zuverlässigen Rasse mit dem hübschen Kopf.

JQ4P5939ArabsTakiehFarmRacingArabs,Iran

Damals erbaute Frau Garagozlou das Haus „Kordan“ – das Zentrum für die Asil-Zucht, das noch heute am Fuß des Alborz-Gebirges steht. Sie hinterließ es der deutschen Pferdewirtschaftsmeisterin Frau Gottstein-Ghalavand, die seit 25 Jahren im Iran lebt und eine Mitverantwortung für die Erstellung des Persische-Araber-Stutbuches trägt. Asile, die von der WAHO anerkannten Vollbluteraraber aus rein persischen Linien, sind ein Kern ihres Zuchtprogramms. In den wenigen Boxen stehen einige sehr gefragte Hengste. So erfüllt „Kordan“ immer noch seine Aufgabe als zentrale Deckstation für persische Araber im ganzen Land. Nun im Iran leben etwa 5.000 registrierte Araber. Eine Gesamtanzahl der Pferde je Rasse ist jedoch kaum bekannt – das hat seine guten Gründe.

YomudMare-Roshan-GharaTepeSheikh,Iran

Nun ein Blick zurück. Auf die Blüte der iranischen Pferdezucht folgte ihr Niedergang. In den 1950er Jahren lösten die Landmaschinen die Pferde ab und die Pferdezucht des Irans kam praktisch zum Erliegen. Die große Afrikanische-Pferdepest-Epidemie (1967) tat ihr Übrigens dazu. Die die Motorisierung überlebenden Gestüte wurden zum Teil oder ganz ausgelöscht. Als es der iranischen Pferdezucht mit Mühe und Not wieder besser ging, brach 1979 die Revolution aus. Während zehn Jahren war der Import-Export der Pferde verboten; mehr als ein Pferd pro Person zu halten war strafbar; die Tiere dienten entweder als Lastpferde während des iranisch-irakischen Kriegs (1980-1988), oder sie wurden von den ausgehungerten Menschen gegessen. Leiter der Schach-Gestüte wurden ins Gefängnis geworfen.

Darunter waren Frau M. Gharagozlou und auch Frau Louise Firouz (1934-2008), die Entdeckerin des Kaspischen Ponys –­ eines Stammvaters der arabischen und der meisten warmblütigen Pferde. Diese kleine Pferderasse lebte seit Urzeiten an den Ufern des Kaspischen Meers, aber lange Zeit war sie in Vergessenheit geraten.

Caspian&LouiseFirouzAspahanHorse Festival

Ein Zufall hatte es gewollt, dass die mit einem Iraner verheiratete Amerikanerin 1965 auf der Suche nach einem kleinen Pony für ihre Reiterschüler in der Stadt Amol landete. Dort fiel ihr ein Hengst vor einem großen Wagen auf. „Er war klein, leicht und fein proportioniert, wie ein Araber in Miniatur“, erinnerte sich Frau Firouz. Das Tier hatte eindeutig typische Merkmale des Kaspischen Kleinpferdes, das man schon für ausgestorben hielt. Weitere 50 kleine Ponys entdeckte Frau Firouz bei Bauern sowie in freier Wildbahn. Ihr Bestand wurde daraufhin zunächst im Iran, seit 1976 auch durch Gestüte in Großbritannien gesichert. Nach fast vierzig Jahren zählt die Gesamtzahl der registrierten Kaspischen Ponys weltweit etwa 1.300, in ihrer Heimat bleibt die Zahl der Ponys immer noch recht klein: 109 reinrassige und etwa 200 wildlebende Tiere.

Frau Firouz ist unter Iranern auch als die Turkmenen-Pferdezüchterin bekannt. Seit 2007 zieht alljährlich ein von ihr organisiertes Festival der iranischen Pferde die renommierten Züchter aus allen Regionen Irans an – vor allem aus den Provinzen Golestan und Nord Khorassan. Hier leben noch authentische Turkmenen-Stämme, die sich mit ihren Pferden nach Ende des 19. Jahrhunderts dreimal in diesen Regionen niederlassen haben. Die meisten Pferde stammen aus der Region Akhal in Turkmenistan und die Turkmenen des Irans gehören fast alle dem Stamm der Teke an.

Um Inzucht zu vermeiden, kreuzen die Turkmenen Irans zwei Haupttypen – die Yamoud und die Achal-Teke. Sie glauben absolut nicht an eine enge Auffassung von Rassenreinheit, die Achal-Teke und Yamoud trennt. Den Yamoud wird für seine körperliche Widerstandsfähigkeit geschätzt; der Achal-Teke dagegen wird für seine Geschwindigkeit geliebt.

Die meisten Rennen werden im Land für die Turkmenen-Pferde veranstaltet. Die meisten Trainer sind Turkmenen, die ihre Pferde nach der lebendigen alten Tradition trainieren.  Während der Vorbereitung für Wettlauf sind die Tiere permanent mit sieben übereinander liegenden Filzdecken eingedeckt. Die alten Turkmenen glauben, damit alles überflüssige Fett zum Schmelzen bringen zu können.

In der letzten Zeit werden Pferderennen immer beliebter. „Alle Formen des Glücksspiels sind haram (verboten im Islam) – außer Pferderennen, Kamelrennen und Bogenschießen“, sagt ein Geistlicher einer Moschee in Teheran. Am Wochenende eilen viele iranische Familien zur Pferdebahn – und wetten. Wetten, was das Zeug hält. Im Land gibt es nur vier Rennstrecken für Pferde. Neben der Strecke befindet sich ein „Vorhersagen“-Büro, wo rechtliche Wetten erfolgen und wo ein Bildschirm wirbt: „Machen Sie eine Vorhersage, um einen Preis zu gewinnen.“ Ein Vorhersage-Ticket kann man ab 10.000 Rial (1$) ohne offizielle Obergrenze  kaufen. Kaum passieren die Pferde die Ziellinie, springen die Zuschauer – darunter Dutzende von Frauen – von ihren Sitzen in der Nähe der Strecke und eilen zum Wett-Büro, um zu sehen, wie viel sie gewonnen haben, und kaufen die Tickets für das nächste Rennen.

Den begeisterten Araberzüchtern ist es auch gelungen, das Araberrennen wieder auf die Beine zu bringen. In mehreren Gestüten Yazds – im Zentrum der  Araber-Pferdezucht – wird die edle Rasse nicht nur für die Rennbahn gezüchtet, sondern auch zunehmend für den Freizeitsport. Es ist ein fantastisches Bild, zu sehen, wie eine Familie einen Morgenritt durch die Wüste macht. Zwischen den Reitern tollen frei mitlaufende Fohlen. Frauen sind auch hoch zu Ross dabei. Schon im alten Persien waren Damen ein integraler Teil des Pferdesports. Viele Anzeichen sprechen dafür, dass das Polospiel bei den Frauen damals mehr beliebt war als unter den Männern. Die Herkunft des ältesten Teamspiels in der Welt werden wir nie erfahren. Gesichert allerdings ist, dass persische Reiter bereits vor über 2500 Jahren Polo spielten. Unter anderem diente das Spiel zur Ausbildung der Elite-Kavallerie-Einheiten. Im Laufe der Zeiten wurde Polo dann zum Sport für die Elite des Landes – zum „Spiel der Könige“.

„Trotz seiner langen Geschichte ist unser Polo jung“, sagt Hamzeh Ilkhanizadeh, der Präsident von Irans Polo-Föderation. Polo war lange Jahre nach der Revolution als das Spiel der Elite verboten und fast ausgestorben. Seit 2006 versuchen die Iraner, deren Familien seit Jahrzehnten Polo spielten, das traditionelle Spiel zurückzugewinnen. Es gibt noch keine Profis, nur Amateure. Das Polo bleibt immerhin das Spiel der wohlhabenden Iraner. Nur circa 20 % der Spieler haben ein eigenes Pony; ein Polo-Pony zu halten kostet im Iran etwa 500 Dollar pro Monat[1].

Trotzdem „ist die Zukunft des Polos in Iran hell“, so Hamzeh Ilkhanizadeh. In der Hauptstadt Irans, Teheran, gibt es schon eine Polo-Schule; nach hundert Jahren des Verbotes  ist das Damen-Polo-Turnier – ausschließlich für Damen – mit erfreulicher Beharrlichkeit auf dem Vormarsch. Während des Spiels sollen die Polospielerinnen das islamische Kopftuch unter den Helmen und knielange  Mäntel tragen. Und wenn sie den Helm ausziehen, ist er voll mit Wasser. „Aber das Spiel ist so spannend, dass wir all diese Probleme vergessen“, sagt eine Polospielerin und strahlt über das ganze Gesicht.

Ein Schiedsrichter gibt den Schlusspfiff. Unter einem begeisterten Applaus der noch nicht zahlreichen Polo-Fans findet ein Turnier sein Ende. Die Zuschauer stehen auf und nach der alten Tradition gehen sie den von den Hufen aufgewühlten Rasen wieder glatttreten.


[1] Laut der Zentralbank Teherans hat eine städtische iranische Familie durchschnittlich  etwa 930 $ pro Monat.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr geehrte Frau Toker –
    habe mit Interesse Ihren Artikel gelesen. Frau Gottstein-Ghalavand hat soeben eine neue Ausgabe des iranischen Stutbuches veröffentlicht und sie hat auch erreicht, dass bei Endurance Wettbewerben im Iran Frauen zusammen mit Männern in der gleichen Prüfung starten dürfen.
    Vielleicht ist es für Sie von Interesse, dass ich in Zusammenarbeit mit Frau Ghalavand Reiter-Reisen in den Iran veranstalte und persische Araber aus der Zucht von Frau Ghalavand zum Einsatz kommen. Derzeit ist ein Wanderritt in Khuzestan auf der Seite http://www.reit-safari.de veröfffentlicht, weitere Ritte in Lorestan und nach Alamut folgen im Laufe des Januar.
    Die neue Broschüre von Reit-Safari wird Anfang Februar aus dem Druck kommen.
    Im Oktober habe ich ausserdem drei Alben von meiner Reise in den Iran mit Wanderritt in Lorestan auf meiner Facebook-Seite www. facebook.com/reitsafari online gestellt.
    Mit besten Grüssen
    A. Selzer

    Antworten

    • Vielen Dank für Ihre Kommentar! Ich habe Ihre Seite “Reit-Safari” gerade gesehen. Sie ist unglaublich interessant:Ich will schon einen Artikel von “Reit-Safari” schreiben:)))
      Mit besten Grüßen
      Natalia Toker

      Antworten

      • Sehr geehrte Frau Toker –
        würde gern direkt mit Ihnen in Kontakt kommen.
        Die Broschüre 2014 ist fertig und inzwischen ist ein weiterer Ritt im Iran online.
        Freue mich auf eine Email von Ihnen über info@reit-safari.de.
        Mit besten Grüssen
        A. Selzer

        Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.