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Israel

Fotos : LookAtIsrael.com

„Ich suche für mein einjähriges Kind eine Reitschule im Kreis Haifa“ – so die Anzeige in einer lokalen israelischen Zeitung auf. Die Anzeige überrascht. Wer an Israel denkt, dem kommen Pferde nicht als Erstes in den Sinn. Doch in Israel sind Pferde keine Seltenheit, und das Reiten ist heute keine elitäre Sportart oder Freizeitbeschäftigung mehr.

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Nach Israel kamen die ersten Pferde während der Herrschaft Salomos (972-932 v.Chr.). Die Tiere wurden meistens aus Ägypten eingeführt. Der König hatte 12.000 Reiter und 1.400 Wagen, für die er  „Wagenstädte“ mit den prächtigen Pferdeställen baute. Nach dem Untergang des alten Israels (8. Jh. v. Chr.) gehörten die Pferde weiterhin zum Alltag der Menschen und eroberten Tag für Tag neue Herzen. Erste Pferde aus Europa – englische Vollblüter und Hunter – gelangten nach Palästina in der Zeit des Ersten Weltkrieges und in der britischen Mandatszeit. Nach der Unabhängigkeit (1948) wurden noch etwa 2.000 Pferde – darunter Shagyas, Norweger, Quarter Horses, Morgans – aus Europa und den USA nach Israel für landwirtschaftliche Zwecke eingeführt. Allmählich vermischten sie sich mit den lokalen Pferden. Das moderne israelische Pferd (145-155 cm) ist das Ergebnis dieser Kreuzung  und hat einen verhältnismäßig langen, trockenen Kopf; einen mittellangen Hals; einen kurzen Rumpf und ein korrektes, stabiles Fundament. Es ist eine der beliebtesten Pferderassen in Israel und wird hauptsächlich zum Reiten benutzt.

Israel liegt im Übergangsbereich vom mediterranen Klima zum Wüstenklima. Die Negev-Wüste ist ein felsiges Trockengebiet, dessen Landschaft hier und dort von einem grünen Kibbuz unterbrochen wird. Das Reiten sollte sich hier aufs Kamel und auf den Esel beschränkt werden. Nahe der Stadt Eilat, mitten in Negev, befindet sich eine Esels-Farm, deren Besitzer in den Monaten März und April eineinhalbstündige Besuche der Wüste im Eselskarren organisiert. Über die zentralen und nord-östlichen Gebiete verteilen sich zahlreiche lokale Reitsportzentren, die nahezu alles, was das Reiterherz begehrt, bieten: vom Anfängerunterricht bis zur Ausbildung – und auch ein reines Reittourismusprogramm. Keine Reitschule ist wie die andere, jede hat einen eigenen Trumpf im Ärmel, um das Interesse der Pferdefreunde für sie zu erwecken.

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Das heiße und trockene Klima erschwert den Pferdehaltern die Pflege und den Umgang mit den Tieren. Jede beliebige Kratzwunde muss sofort mit Desinfektionsspray oder – salbe gegen Entzündungen behandelt werden. Die allermeiste Zeit hält man die Pferde auf der Wiese, eine überdachte Freifläche bietet ihnen einen Schutz vor dem Regen und der Hitze. Man sorgt auch dafür, dass dort immer genug Wasser vorhanden ist. In den kleinen Siedlungen gibt es private Voll- und Halbpensionen. Unter einer Halbpension versteht man auch, dass das Pferd als Schulpferd beim täglichen Unterrichten benutzt wird. Das senkt massiv die monatlichen Pensionskosten. Eine Vollpension ohne Aufwendungen für den Schmied und den Tierarzt, kostet etwa 1.000–1.700 Schekel (1 Euro = 4,892 Schekel), der durchschnittliche Lohn beträgt etwa 7.000 Schekel.

il4Von Jahr zu Jahr steigert sich die Zahl der Reitbetriebe mit den qualifizierten Reit- und Dressurlehrem. Israels Reiterliche Vereinigung, eine Dachorganisation des israelischen Reitsports, ist 1964 gegründet worden und zählt derzeit etwa 1.400 Mitglieder. Ihre Sportreiter vertreten regelmäßig das Land auf verschiedenen internationalen Turnieren. Besonders erfolgreich sind die israelischen Para-Pferdsportreiter. „In Israel gibt es noch keine Kultur der Sportzucht“, so Jeguda Dawidowitsch, der Veranstalter der Springturniere. „Üblicherweise züchtet man nur die arabischen Pferde für Freizeitreiten oder für Tourismusreiten. Die ausgebildeten Sportpferde kommen oft aus dem Ausland.“ Nach der Eröffnung der ersten Rennbahn (2006) am Bergfuß Gilboa hatten die Pferdezüchter eine starke Motivation, hochkarätige Pferde zu züchten und auszubilden. Eines der bekanntesten Vollblutarabergestüte, „Ariela Arabians“, liegt im Herzen des Landes. Die Gestütbesitzer Eitan und Ariela Wertheimer züchten die Araber des klassischen Wüsten-Typs – auffallend schöne Tiere. Die Pferde bewiesen schon einmal ihre Besonderheit. So wird der Hengst Al Lahab, der 1999 auf dem Gestüt Ariela geboren wurde und jetzt im Besitz der deutschen Familie Friedmann ist, mit Fug und Recht als erfolgreichster Ägypter-Hengst im Schauring 2006 bezeichnet.

Stallion Show 2011Alljährlich  findet auf einem Reitplatz beim Zentrum des therapeutischen Reitens in der Stadt Tel Mond, die östlich von Netanya liegt, die Israels größte Hengst-Messe „Stallion Show“ statt. Sie lockt immer mehr Fachleuten und Pferdefreunden an. Stolze Vollblutaraber-Hengste, bildschöne Andalusier,  amerikanische Quater Horses, prächtige Friese sowie  Hannoveraner zeigen, was sie können – eine Augenweide. Zahlreiche Pferdekäufer betrachten alle Hengste genau, erkundigen sich nach dem Preis und ergötzen sich mit den anderen Zuschauern an der Show, für die viele  Top-Stars aus Western-, Freizeit-, Sportreiterei und dem Voltigieren sorgen. Ein Wettbewerb der Cowboys, junge wilde Pferde für 2-3 Minuten zu zähmen, fesselt auf sich die Aufmerksamkeit all der Erwachsene und Kinder. Das Westernreiten ist ganz  recht nach dem Herzen der Israelis. Im Land gibt es eine große Menge von Ranchen.  Direkt bei Jerusalem liegt die Ranch „Harei Yehuda“, die von Ohad und Carolyn Hadash 1994 etabliert wurde und nach internationalem Standard gebaut wurde. Das Ehepaar bietet eine qualifizierte Ausbildung für Westernreiter, das therapeutisches Reiten, die Pferdeausbildung und Ausritten für die jungen Gäste im Alter von 10 bis 18 Jahren. Auf die Bitte der Beit-Shemesh- Polizei schuf Ohad Hadash bei Harei Yehuda eine regionale freiwillige berittene Polizei-Einheit. Sie kommt nur in Notfällen sowie bei Such-und Rettungsaktionen zum Einsatz.

Während die Westernreiter ihren Vorzug den Quater Horses und Appaloosa geben, bevorzugt die berittene Polizei Israels die schwarzen präsenten Friesen. Zurzeit kauft man die Pferde in Europa, aber man plant schon, eigene Friesen in Israel zu züchten. Die treuen und bewährten Freunde der Polizisten müssten nach dem Dienst nie zum Schlachter, die Reiter nehmen ihr Freunde bei sich zu Hause auf und kümmern sich weiter um sie.

Leider behandeln nicht alle Menschen ihre Tiere als Freunde. Obwohl der Mensch auf die Hilfe der Arbeitstiere angewiesen ist, werden Pferde und Esel bei ihrer täglichen Schinderei oft zusätzlich gequält, ausgebeutet und misshandelt. 1927 wurde in Tel Aviv der Tierschutzverein gegründet, um die unter unglaublichen Qualen leidenden Tiere zu retten und zu behandeln. Für die Opfer des Nahost-Konflikts – Esel und Pferde – gründete die Britin Lucy Fenson im Norden Israels, nahe dem Dorf Gan, ein Heim. Im Esels-Asyl in einer mobilen Klinik arbeiten israelische und palästinensische Ärzte und Pfleger zusammen zum Wohl der Tiere.

 

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