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Don-Pferde aus Russland: Insel der wilden Gold-Füchse

All die Bilder von Svetlana Petrova

All die Bilder gehören Svetlana Petrova

Abgeschottet vom Rest der Welt lebt eine Herde wilder Pferde auf der russischen Insel Wodnyj.  In harten Wintern starben viele Tiere, weil es nicht mehr genug zu fressen gab. 

Ein plötzliches lautes Wiehern durchbrach die Stille. Die wilden Pferde, die nie als Reitpferde dienen mussten, wirkten äußerst entspannt und sahen überwältigend aus: groß, wohlgenährt und hatten glänzendes Fell. Fohlen schliefen tief und  fest, Stuten grasten ruhig, nur der Leithengst war auf der Hut.

Die wilden Pferde auf der Insel Wodnyj, Russland

Niemand weiß genau, wann und wie sie auf die Insel kamen. Viele Legenden und Mythen kreisen um diese Insel. Die erste ist besonders schön: In der Zeit der Goldenen Horde verirrte sich eine Herde im hohen Steppengras – und ließ sich hier nieder.

Die wilden Pferde auf der Insel Wodnyj, Russland

Laut einer anderen Geschichte geschah es erst vor 150 Jahren, als  auf dem Festland das Kurheim „Manytsch“ eingerichtet wurde. In der Heilstätte nahmen die Patienten nicht nur Moorbäder im See Manytsch, sondern tranken auch gegorene Stutenmilch – Kumys.

Die wilden Pferde auf der Insel Wodnyj, Russland

Alteingesessene erzählen, dass die Pferde mit der Flussfähre auf Wodnyj gebracht wurden, damit sie auf Wiesen mit an Mineralien reichen Gräsern und Kräutern weiden konnten. Eines Tages gingen etwa zehn Tiere in die weite Federgrassteppe hinaus und konnten von den Hirten nicht mehr gefunden werden. Besonders spannend klingt die Lieblingsversion der Einwohner der nahegelegenen Donkosakensiedlungen (Staniza). Sie glauben, dass man die echten nordamerikanischen Mustangs für den Dreh des russischen Westernfilms „Siebte Kugel“ kaufte und sie auf die Insel brachte, wo eine der fesselndsten Szenen des Films gedreht werden sollte. Ein Regieassistent kannte sich mit dem Charakter der Pferde nicht aus und bei den ersten Schüssen auf dem Drehplatz flüchteten die erschrockenen Mustangs in die Steppe.

Die wilden Pferde auf der Insel Wodnyj, Russland

Die Wissenschaftler halten doch an der üblichen Erklärung fest. Bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts befand sich hier eine Tierfarm. In den 50-er Jahren,  als sie unrentabel wurde, beschlossen die Pferdezüchter, die Tiere  aufs Festland zu bringen. Als sich die ganze Insel im Rahmen der Übersiedlung im Durcheinander befand, machten sich etwa zehn Pferde der Don-Rasse aus dem Staube. Seither weiden und pflanzen sie sich auf der Insel fort.

Die wilden Pferde auf der Insel Wodnyj, Russland

Dontschack, so nennen Donkosaken liebevoll ihre Pferde, bestecht durch seine gepflegte fuchsrote Fellfärbung, mit einer hellen bis dunklen Tönung des bemerkenswerten metallischen Schimmers. Der kräftige Körper der Don-Pferde ist häufig mit weißen Abzeichen – in vielen Fällen Blesse – versehen. Mit lebhaften Augen und Ohren und starker Muskulatur sind Don-Pferde  wie auch  Achal-Teckiner, ein typisches Ergebnis der Volkszuchtwahl. Für  das offizielle Datum der Entstehung der Don-Pferderasse hält man das Jahr 1770, als der Kosakenataman Matwej Platow mit ausländischen Beutepferden – Arabern, Persern und Türken – sein Gestüt bereichert hatte. In Russland wurden die Rennpferde jahrhundertlang ausschließlich für die Armee gezüchtet. In alten Zeiten war in Europa landläufige Meinung, dass „ man in Russland nicht reiten würde“.

Die wilden Pferde auf der Insel Wodnyj, Russland

Das klingt höchst sonderbar, ist aber tatsächlich wahr. Das russische Klima mit langem schneereichen Winter und unbefahrbaren Wegen machte eine Reise mit den Kutschen wesentlich einfacher, als einen Spazierritt. „Deshalb ist die Entwicklung der Don-Pferderasse am Anfang mit der Armee eng verbunden“, brachte zur Sprache Timofej Stepanowitsch, ein 65-jähriger Donkosak mit dem typischen Kosaken-Schnauzer. Im 16. Jahrhundert wurden von der Moskauer Regierung spezielle Truppen sogenannter Stadtkosaken aufgestellt, die bei den Grenzbefestigungen angesiedelt wurden und für ihren Bewachungsdienst Grundstücke und Sold erhielten. Jeder Kosak diente in der Armee mit seinem eigenen Pferd, dem er, wenn es um Leben und Tod ging, blind vertrauen konnte. Da die Kosaken ausdauernde und kräftige Kavalleriepferde brauchten, kreuzten sie ihre Ortspferde anfänglich mit turkmenischen, arabischen und karabaghischen Rassen, später mit Orlov-Trabern, Arabern und englischen Vollblütern. „Dontschacks sind schnell, können viel ertragen und sind unglaublich schön.“  Die Donkosaken haben die beste und schönste Pferderasse, davon ist der alte Kosak Timofej völlig überzeugt. „Kosak“ bedeutet soviel wie „freier, unabhängiger Mann“. „Sie, Westeuropäer, stellen sich einen Kosak, als  einen temperamentvollen mit Säbeln tanzenden, trinkfreudigen Raufbold auf einem feurigen Pferd vor, der weder Gott noch Teufel fürchtet“, fährt Timofej fort und schmunzelt: „Da ist schon etwas Wahres dran“. Die Donkosaken trainierten ihre Pferde selbst und haben in frühester Kindheit reiten gelernt. „Wenn ein Junge ein Jahr alt geworden war, setzten ihn seine Verwandten aufs Pferd und beobachteten fieberhaft, besonders sein Vater, der Onkel und der Großväter, ob der Kleine  Angst bekam, oder ob er sich, im Gegenteil, in die Mähne festkrallte und alles versuchte, um sich auf dem Pferd zu halten. Ein 5-Jähriger, der auf dem Pferd seines Vaters durch eine Kosakensiedlung (Staniza) galoppiert ist bis heute keine Seltenheit am Don. Am Don gab es noch nie Reitschulen, wie wir uns sie heute vorstellen. Jeder bildete sein Pferd auf eigene Weise aus und hat seine eigenen Trainingsmethoden entwickeln. Daraus folgten eigenartige Techniken der Dressur. Die Kosaken haben bis heute großes Vergnügen an den akrobatischen Kunststücken, wie das Auf- und abspringen im vollen Galopp oder das Stehen auf dem laufenden Pferd. „Das Kunstreiten, welches Sie im Zirkus zu sehen gewohnt sind, ist das Kulturerbe der Kosaken“, sagt Timofej mit stolzer Stimme. Er ist sich sicher, dass die Nachkommen der Don-Pferde heute noch auf 2658 Hektar großen Wodnyj Insel weiden.

Die wilden Pferde auf der Insel Wodnyj, Russland

 

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. wie schön,mal wieder etwas über Donpferde zu lesen ! Ich habe einen fast 30 jährigen Wallach (seit 20 Jahren) , der noch recht fit ist.Leider sieht es nicht so aus, als könne er einen Nachfolger haben.Anscheinend bekommt man in Deutschland keine Dons mehr !? Sie sind schon sehr einzigartig !

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  2. Ich habe mir vor kurzem einen hengst gekauft. Er ist jetzt ein halbes Jahr alt

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