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Russland: Sergej Zimov, Jakuten-Pferde und Pleistozän-Park

Der fünfunddreißig Meter hoch Aussichtsturm im Pleistozän Park Foto: S.Zimov

Am frühen Herbstmorgen 1989 konnten die Bewohner der Stadt Cherskijs, die im hohen Norden der Republik Sacha[i] liegt, beobachten, wie drei Hubschrauber über ihre Stadt, über den Fluss Kolyma und über den Blutsee[ii] flogen und dann direkt mitten in der eisigen Wüste, 150 km südlich vom nördlichen Eismeer, landeten. Aus einem Container trat ein stämmiger Hengst mit zappelnden Ohren und unruhigem Blick. An seiner Seite – seine Stuten.

 Jakutische Pferde im Pleistozän-Park  Foto: S. Zimov

Diese widerstandsfähigen, genügsamen halbwilden Jakuten-Pferde sollten die ersten Einwohner des Pleistozän[iii]-Parks werden, in dem der russische Wissenschaftler Sergej Zimov plante, das Ökosystem der Mammut-Steppe zu wiederherzustellen, um mit der Hilfe der Tiere dort das Klima zu ändern und auf diesem Weg die Folgen der Klimaerwärmung zu dämpfen.

Herr Zimov imPleistozän-Park, Jakutien  Foto: S. Zimov

Bereits vor zwanzig Jahren erregte die gewagte Idee des jungen russischen Ökologen Zimov viel Aufsehen unter den Klima- und Bodenforschern. Die meisten von ihnen hielten sein Projekt für ein Abenteuer in Reinkultur. Derzeit ist der 58 jährliche Russe mit den durchdringenden blauen Augen, grauem Haarschopf und mit heiserer aber kraftvoller Stimme unter Wissenschaftlern als Permafrostböden-Forscher und Gründer des „Pleistozän-Parks“ durchaus bekannt.

Nach dem Studium 1980 in Wladiwostok errichtet Herr Zimov direkt bei Cherskij eine Forschungsstation, auf der er, als Leiter, und sein kleines wissenschaftliches Team, es setzt sich aus nur drei Familien  zusammen,  den Klimawandel und auftauende Permafrostböden untersuchen.

Nikita Zimov und Lutz Merbold, der deutsche Student, Bau der Umzäunung
Foto: S. Zimov

Zimovs Labor sind Tundra und Taiga. „Über die Bezeichnung „talentierter Wissenschaftlicher“ bin ich schon hinausgewachsen. Man könnte schon sagen, ich bin ein Genie“, sagt Sergej Zimov, halb im Scherz, und verbessert sich: „vielleicht bin ich einer.“ Er selbst fasst keinen Computer an: E-Mails liest ihm seine Ehefrau Galina vor, sie schreibt ebenfalls nach seinem Diktat Antworten. Über sich und sein Projekt erzählt der Forscher viel und gern, aber selbst darüber zu lesen macht er nie. Gebührter St. Petersburger ist „auf diesem Pol der ökonomischen Unzugänglichkeit“ absolut glücklich und denkt nicht mal daran in seine Heimat zurückzukehren.

„Wenn die erschöpfende Winterdunkelheit kein Ende findet, und die Tiefsttemperaturen bei minus 60° liegen, arbeite ich zu Hause“, sagte Sergej Zimov. Das Arbeitszimmer bildet die Arbeit und den Charakter des Besitzers ab: An einer Wand hängt ein Bison-Schädel, in der Ecke liegen Stoßzähne eines Mammuts und der Schädel eines Nashorns, da und dort stehen große Stapel wissenschaftlicher Bücher. Der Gelehrte mag es am liebsten, auf seinem Sofa zu liegen und über ein paar Probleme nachzudenken.

Die Einrichtung der Umzäunung des Pleistozän-Parks,
Foto: S. Zimov

„Es ist sehr kräftezehrend, sich den ganzen Tag lang immer nur mit einem bestimmten Problem zu befassen, zum Beispiel: Warum verschwanden die Mammuts?“, stellt Sergej Zimov heraus. Wie kommt es, dass hier im Pleistozän, wo vor vielen Tausenden von Jahren auf üppigen Graslandschaften und reichen Getreidefeldern riesige Mammut-Herden, Wollnashörner, Höhlenbären und Riesenhirschen grasten, sich heute nur die eisige Wüste ausbreitet? (F-f.)

 


[i] Die Republik Sacha liegt im Nord-Osten Russlands und besitzt eine Fläche von 3,1 Mio. qkm mit 1 Mio. Einwohnern. Fast die ganze Republik befindet sich in der Permafrost-Zone, die zum Teil enorme 1,5 km erreicht. In der Republik Sacha, man nennt sie auch Jakutien, befindet sich der kälteste Ort unseres Kontinentes, Oimjakon. Im Januar lassen sich die durchschnittlichen Monatstemperaturen mit -50°C messen.  Der Dauerfrost beeinflusst das ganze Leben, die Mentalität und die Kultur in der Republik.
In Jakutien werden Diamanten, das gesamte Antimon und ein Viertel des Goldes Russlands abgebaut. Es gibt dort die größten Zinn-und Erzvorkommen und die guten Perspektiven für die Erschließung neuer Erdöl-und Erdgasvorkommen.
[ii] Im Dezember 1937 wurden ein Fischerei Pier und ein Gletscher in den Green Cape von mehreren Gefangenen gebaut. Unter ihnen waren viele verfolgten Gläubigen. Nachdem die Gefangene rebellierten, wurden sie unterdrückt und in der Nähe eines Sees erschossen. Diese See war als Blutsee genannt worden.
(der Ort der Massenerschießungen der Häftlinge aus Stalins Lagern 1937 GULAG – Das Lagersystem der Sowjetunion“)
[iii] Das Pleistozän ist jenes Erdzeitalter, das vor etwa 11.000 Jahren zu Ende ging.

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