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USA: Die wilden Chincoteague-Ponys trotzen dem Gewitter

Jedes Jahr Ende Juli verlassen Zehntausende Menschen ihre Heimat, um das weltberühmte Schwimmen der wilden Chincoteague-Ponys über den schmalen Assateague-Kanal zur Nachbarinsel Chincoteague/Virginia zu beobachten. Die Ponys begleiten Freiwillige Feuermänner Chincoteagues, so genannte ‚Salzwasser Cowboys’, von den Boot. Am nächsten Tag werden die meisten Fohlen an einer traditionellen Auktion versteigert. Den Verkaufserlös verwendet man für Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr Chincoteague sowie zur Erhaltung der verbliebenen Ponys auf der Assateague-Insel.CHINCOTEAGUE VA Pony Swim & Roundup

Rund 300 Pferde in zwei Herden leben auf der sonst unbewohnten Insel, nur getrennt durch einen Drahtzaun. Der Norden gehört zum Bundesstaat Maryland. Die dort lebenden Assateague Pferde stehen unter der Obhut des National Park Service, der ihre Zahl mit einer Babypille fürs Pferd konstant hält. Ihre Vettern auf der Südstaaten-Seite heißen Chincoteague Ponys, weil sie sich im Besitz und unter der Verwaltung der Freiwilligen Feuerwehr Chincoteague befinden. Ihre Zahl wird von den Feuerwehrmännern durch die traditionelle jährliche Versteigerung der Fohlen reguliert. Der Erlös davon unterstützt die Freiwillige Feuerwehr Chincoteague.

Autor Bob-Langrish

Autor Bob-Langrish

Der  ‚Pony Swim’ mit darauffolgender Auktion wird immer am letzten Mittwoch und Donnerstag veranstaltet. Die Vorbereitung beginnt schon am Wochenende davor. Die Salzwasser-Cowboys treiben etwa 150 wilde Ponys von der südlichen (50) und der nördlichen (100) Seite der Insel in einen Pferch. Das Schwimmen findet während der ‚slack tide’ statt, eines Zeitraumes von etwa 30 Minuten zwischen Ebbe und Flut. In dieser Zeit gibt es wenig oder keine Strömung, so dass es selbst für die vier bis sechs Monate jungen Fohlen einfach ist, das Wasser zu durchqueren. Trotzdem befinden sich die Tiere die ganze Zeit über unter der Kontrolle von Menschen.   Ein erschöpftes Fohlen wird sofort an Bord des begleitenden Boots genommen. Dem ist es zu verdanken, dass für die lange Geschichte dieser Tradition kein Fohlen verletzt wurde oder ums Leben ging. Die Zeit der ‚slack tide’ variiert jedes Jahr zwischen 07.00 Uhr und 13.00 Uhr.
In diesem Jahr findet die 88. Veranstaltung des Pony Swim statt, den Marguerite Henry im Kinderbuch ‚Misty von Chincoteague’ (1947) verewigte. Einer romantischen Legende nach stammen die wilden Ponys von Berberpferden. Sie befanden sich an Bord einer spanischen Galeone, die im 16.Jahrhundert einen Schiffbruch vor der Küste Virginias erlitt. Schwimmend erreichten die Tiere das Ufer der Assateague Island, wo sie bis heute in freier Wildbahn leben. Pragmatiker behaupten jedoch, dass die Chincoteague-Ponys Nachkommen der Haustiere seien, die Siedler am Ende des 17. Jahrhundert auf die Insel brachten, um die Pferdesteuer zu umgehen. Wie dem auch sei, aber Jahr für Jahr strömen Massen von Pferdeliebhabern und Buch-Fans auf die kleine Insel, um einen Blick auf die beliebten Ponys zu nehmen.
Sie trotzen sogar dem Gewitter. In diesem Jahr zum ersten Mal. Als die Ponys auf dem gegenüberliegenden Ufer erscheinen, geht ein Gebrüll los. Und dann öffnet der Himmel seine Schleusen. Es blitzt und donnert. An diesem stürmischen Mittwoch beginnen die berühmten Chincoteague-Ponys um 11.17 Uhr ihren Weg über den Kanal. Es dauert ja ewig(Gefühlt dauert es für die Zuschauer eine Ewigkeit): fünf Minuten und zwanzig Sekunden. Am Strand ist es totenstill. Der Gewittersturm tobt über die Assateague – und die Chincoteague-Inseln, über schwimmende fuchsrote Ponys-Insel. Als das erste Pony – ein Hengst mit einer Karamell-Mähne – kommt, schrein Kinder fröhlich aus vollem Hals: „Misty!!!“ Die Zuschauer in der völlig durchnässen Kleidung spenden den wahren Helden des heutigen Tages Beifall. Der Tradition nach, bekommt das erste Fohlen den Titel ‚König’.
Der Regen ist schnell vorbei. Zum Glück wurde noch keine Verletzung bei den Ponys gemeldet. Der Feuerwehrmann Bo Reeder bemerkt, dass das Wetter keinen Einfluss auf die Arbeit gehabt habe. Es sei nichts anders, nur seien alle nass.

Autor Bob Langrish

Autor Bob Langrish

Nach 45 Minuten Ruhepause und einer tierärztlichen Untersuchung treiben  die rund 50 Salzwasser-Cowboys die schönen Schecken und Schimmel – die meisten Stuten und Fohlen – zum Karneval-Grundstück. Dort wartet auf die Ponys ein breiter Pferch mit Heu und frischem Wasser. Bevor die Kleinen am nächsten Tag von den Müttern getrennt werden und bei einer Auktion verkauft werden, verbringen sie die letzte Nacht mit ihren Müttern. Die Chincoteague- bzw. Assateague-Ponys sind durch die harten Naturbedingungen auf der Assateague-Insel zäh und genügsam; sie haben gute Gelenke und harte Hufen. Die wilden Tiere erreichen ein Stockmaß von 122 cm. In den USA gibt es mehrere Chincoteague Pony-Züchter, die 2006 einen eigenen Zuchtverband „Chincoteague Pony Breeders Association“ gründeten.

Autor Bob Langrish

Autor Bob Langrish

Die Auktion der Fohlen findet am Donnerstag statt. Außer den Fohlen kommen unter den Hammer auch Jährlinge und Zweijährlinge. Nach den Angaben der Veranstalter wurden 67 Ponys im Jahr 2012 verkauft – der Durchschnittswert betrug 1.436 $, das Höchstgebot 7.000 $, der Gesamtumsatz 96.252 $.
edes Jahr wird ein Paar Fohlen als „buyback“ bezeichnet. Diese Fohlen werden der Freiwilligen Feuerwehr gespendet und am Freitag kehren sie mit den Erwachsenen auf die Assateague Insel zurück. Sie dürfen nie verkauft werden. Der Käufer bekommt einen Gewinn, das Pony zu nennen. Wie gewöhnlich sind die „buybacks“ die teuersten Fohlen der Auktion[1].
Am Freitag schwimmen dann etwa 100 erwachsene Chincoteague-Ponys zurück in ihren natürlichen Lebensraum bis zur Veranstaltung im nächsten Jahr.

CHINCOTEAGUE VA Pony Swim & RoundupAutor Richard Ellis


[1] In diesem Jahr war das höchste Gebot 12.000 Euro.
Mark Zebley gewann die Ausschreibung (12.000$) auf ‚buyback’ als Geschenk zum  80. Geburtstag für seine Mutter Janet Matabito.

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